Sommersonnenwende - Alban Hevin (keltisch) - Johannis - Mittsommer
Am 21. Juni wird Sommersonnwende gefeiert. Die Kelten nannten es Alban
Hevin. Die katholische Kirche machte daraus das Fest zu Ehren des heiligen
Johannes des Täufers.
Die Sommersonnwende ist eines der 4 großen Sonnenfesten. Ihr Gegenstück
ist die Wintersonnwende. Daneben gibt es noch die Frühjahrstagundnachtgleiche
und die Herbsttagundnachtgleiche, wenn man von den vier weiteren absieht, wo
sich immer alle Gemüter streiten, ob es Mond- oder Sonnenfeste sind.
An der Sommersonnwende ist der längste Tag und die kürzeste Nacht.
In manchen Jahren kommt noch als Besonderheit hinzu, daß in dieser Nacht
auch Vollmond ist. Das bedeutet, daß sowohl die Sonne als auch der Mond
sich in ihrer größten Strahlkraft zeigen, und es eigentlich überhaupt
nicht richtig Nacht wird. Es ist wie wenn beide diese Nacht in einer ganz besonderen
Art und Weise feierlich begehen - fast wie eine mythische Hochzeit. Das ist eine
große Seltenheit. Und wer die Möglichkeit hat, in einer solchen Nacht
einmal den Mond aufgehen zu sehen, der sollte es genießen, ihn in seiner
besonderen Größe und Pracht in seine Seele aufzunehmen. Die alten
Völker hätten daraus einen Mythos gemacht.
2005 war eine solche Nacht.
Dank- und Freudenfest
Bei den Kelten wurde die Sommersonnwende zwölf Tage lang gefeiert.
Es war die herrlich warme, wunderschöne Sommerzeit. Die Erdgöttin
war schwanger mit werdenden Früchten der Erde. Alles wuchs und gedieh.
Und viele wunderbare Früchte konnten schon geerntet werden. Es war
die sorgloseste Zeit des Jahres, wenn man bedenkt wie schwierig das Überleben
früher oft war. Man kann die Natur in ihrer ganzen Fülle und Fruchbarkeit
riechen, schmecken. Es ist wie ein ganz besonderer Gesang oder Klang, der überall
mitschwingt. Alles ist im Überschwang vorhanden - auch die Lust und
die Freude.
Somit war das Mittsommerfest ein Fest der Freude und des Dankes. Und auch
das Mittsommerfeuer war ein Dankes- und Freudenfeuer. Die Frauen brauten
Starkbier mit entsprechenden Kräutern, die eine besondere berauschende
und aphrodisierende Wirkung hatten. Die Feuer wurden umtanzt und übersprungen.
Liebesschwüre wurden dabei geschworen. Kinder über das Feuer geworfen,
um sie gegen Krankheiten zu stärken. Und natürlich war wieder
viel Raum für Erotik, Lust und Leidenschaft.
Noch in keltisch-schamanischer Zeit, wurden diese Tänze immer rauschhafter,
je später die Nacht. Die Tänzer waren von Haus aus nackt, nur
umkränzt mit einem Gürtel aus Beifuß oder auch Eisenkraut,
der besonders für die "Härtung des männlichen Gliedes" stand.
Im Haar trugen sie Kränze aus Blumen, wie Gundermann, Eisenkraut, Jonanniskraut.
Die Nacktheit war eine rituelle Nacktheit, ein heiliger Zustand , eine Verbindung
zum Ursprünglichen.
Die Kräuter Beifuß und Gundermann wurden genommen, weil sie die
Ekstasefähigkeit und Hellsichtigkeit bei offenen und sensiblen Menschen
stärkten.
Ins Feuer warfen die Druiden Bärlapp-Sporenstaub, das auch als Blitzpulver
oder Hexenmehl bekannt war. Es gab immer besonders aufregende Licht- und
Explosionseffekte.
Die Bilwis-Priester
Die "Bilwis-Priester" der Heiden, wie man die nannte, die dem
Gott Belenus oder auch Baldur dienten - der keltische Sonnengott - segneten
in der Sonnwendzeit die Felder. Es wurde speziell dem wilden Fruchtbarkeits-Naturgeist "Pan" geopfert
und gehuldigt, der manchmal auch recht ungestüm und bockig war, der
aber die Feiernden gerne mit seiner wilden Potenz berauschte, was so ein
Fest wohl sehr erotisch werden ließ.
Die Bilwis-Priester oder auch Bilwisse wurden im Mittelalter als Hexen
oder Zauberer von der Inquisition zu Tode verurteilt.
Auch das Sommersonnwendfest ist natürlich ein Fruchtbarkeitsfest, weil
die Kelten nie ein Fest ausließen, um in erotisch-sexuelle Ekstase
zu geraten.
Alles trug dazu bei, die nackten Tänze, das heiße Feuer, das
kräuterdurchsetze Bier.
Passenderweise wurden für diesen "Pan" auch die "Wolfskräuter" um
die Felder gesteckt. Dazu gehörten z.B. "Arnika" (= Bergwolfsverleih)
oder auch Eberesche.
Interessanterweise ist bekannt, daß es bei den Kelten eine ganz bestimmte
Richtung des Schamanismus gab, den man Wolfsschamanismus nannte. Und dazu
gehörten vor allem die Feste zu Ehren der Sonne, wie Wintersonnwende
und Sommersonnwende. Und eines der markantesten Symbole waren vor allem
diese ekstatischen Tänze, wo die Tänzer im fortgeschrittenen Stadium
alle Glieder von sich warfen, völlig wild und bockssprungartig tanzten
und ständig die Richtungen wechselten. Diese Art von Tanz wurde später
dann "Veits-Tanz" genannt. Man beachte daher besonders die Orte,
wo heute noch eine Veits-Kapelle steht, weil sie hundertprozentig auf diesen
alten Kult zurückgeht. Nicht von ungefähr wurde dieser Veit von
der Kirche dann als Heilger installiert.
Nahtstelle zwischen den Welten
Die Sonnwende galt als weitere Nahtstelle zwischen den Welten, in der sowohl
die Götter als auch die Naturgeister den Menschen nahetreten konnten.
Man konnte die Götter mittanzen sehen, verlor seinen alltäglichen
Verstand und wurde "ver-rückt". Viele sogenannte "Ver-rückte" Geschichten
sind überliefert. Wolf-Dieter Storl erzählt in seinem Buch "Von
den Pflanzen der Kelten", daß man die Sonne stillstehen und dann
drei Sprünge machen sah, oder die Zwerge unter dem Holunder Hochzeit
feiern. Pferde konnte man reden hören, sah die Elfen ..... Von solchen "Johanniswundern" sprachen
auch noch die Bauern im Mittelalter.
Mythologische Hintergründen dieses Festes
Laut Storl und anderen Kulturantropologen ist es ein spezielles Sonnenfest,
wo der Sonnengott oder auch sein Stellvertreter, bei den Kelten z.B. der
sogenannte "Eichenkönig" Belenos oder Baldur, einen rituellen
blutigen Tod erleidet.
Vielfach Enthauptung oder auch Zerfleischung. Im ganzen vorderen Orient
werden die dortigen Sonnenkönige unter diesen Umständen rituell
ermordet. Beispiele sind Dionysos, Mithras, Tamuzi oder Dumuzi, Nimrod,
Enkidu, usw. Einer der ältesten Namen von Tammuz oder Nimrod war, als
er gemäß der Mystherien zurückkehrte, nachdem er erschlagen
wurde, interessanterweise "OANNES". Klingt ja wirklich ähnlich
wie "JOHANNES". In alten Schriften wird Nimrod mit Bacchus und
damit mit Dionysos gleichgesetzt. Oannes wird auch "Fischgott" genannt
und Bacchus wird eben auch "Ichtys, "der Fisch" genannt.
Alles interessante Zusammenhänge, wo das heutige Fest ja von der katholischen
Kirche mit Johannes dem Täufer verbunden wird, dem Vorläufer Christi.
Johannes taufte mit Wasser. Jesus wurde mit dem Fisch assoziiert, der Menschenfischer...
Und auch Johannes der Täufer, wurde ja letztendlich enthauptet, wie
seine vielen mythologischen Vorgänger. Die Tochter des Herodes verlangt
nach einem überaus erotisch-ekstatischen Tanz als Belohnung den Kopf
des Johannes auf einem goldenen Tablett - beides Sonnensymbole.
Um beim keltischen Mythos zu bleiben, der wunderschöne Götterjünglich
Baldur, der Sohn der Frigg, wurde von einem Mistelzweig getötet. Auf
Grund seiner Alpträume hatte seine Mutter alle Wesen der Welt schwören
lassen, ihrem Sohn nichts anzutun, außer die Mistel, die sie für
nicht gefährlich ansah.
" Die kleine, schwächliche Mistel, die auf dem Weltenbaum - bei
den Kelten ist das die Eiche - wuchs, hatte sie als zu gering erachtet, um
ihr den Schwur abzuverlangen. Doch die Mistel ist ein elfisches "Zwischenwesen",
sie gehört weder zum Himmel noch zur Erde, und sie fällt ganz aus
dem solaren Jahresrhythmus heraus."
Aus dem Mistelzweig schnitzte Feuergott Loki den tödlichen Pfeil. Und
dieser Loki ist dann auch sinnigerweise die nächste Verwandlungsform
des Sonnenjünglings. Er ist im Herbst dann der Gott der reifen Früchte
und des schnittreifen Getreides.
Noch ein Beispiel eines an der Sonnwendfeier getöteten Helden und Fast-Gottes:
SIEGFRIED, der von Hagen getötet wird.
Siegfried ist im Gegensatz zu Hagen durchaus sonnengleich. Er ist der
strahlendste Held unserer Sagenwelt. Und er wird ermordet wie Baldur durch
einen Pfeil in den Rücken, die einzige Stelle, wo er verletztlich war.
Er selber tötete den Drachen, dessen Blut ihn so unverwundbar machte.
Und er wird wiederum an der Sommersonnwende getötet. Das ist durchaus
ein mythischer Kreis, der sich schließt. Der Jahreskreiskönig,
der am Höhepunkt seiner Macht und Strahlkraft stirbt. (Sommersonnwende)
Sonnwendkräuter
Für alle Kräutersammler sei gesagt, daß dieses Fest ein
Höhepunkt für viele Plfanzen ist. Die Sonnenenergie ist am höchsten
in ihnen, und besonders in der kalten dunklen Winterzeit sind das Pflanzen,
die heilsam auf Seele und Körper wirken und ihr gespeicherte Sonnenenergie
an uns abgeben. Da wo wir es am nötigsten haben.
Zu den bekanntesten Planzen gehört an erster Stelle das Johanniskraut,
da vor allem antidepressiv wirkt und entzündungshemmend. Seine Blüten
sollen etwas vom Blut des geköpften Heiligen enthalten (laut Storl).
Desweiteren Beifuß, Eisenkraut, Kamille (= die Augenbrauen Baldurs),
Holunderblüten, Schafgarbe, Gundelrebe, Blutwurz, Bärlapp, Arnika,
Ringelblume, Königskerze, Kümmel.
Die Sonne als weibliche Göttin
Zu guterletzt möchten wir noch darauf hinweisen, daß in noch ältern
mythologischen Forschungen, besonders der Germanen und Kelten, die Sonne
eine weibliche Gottheit war mit dem Namen SOL oder SUL, deren "abgetrennter
goldener Kopf" noch heute im englischen Bath im Museum zu besichtigen
ist. Wieder der abgetrennte Kopf.
Sul ist auch noch in "IRMINSUL" enthalten, der Weltensäule.
Die Letten nennen sie Saule. Diese Saule sitzt auf dem Himmelsberg.
Diese Sonnengöttin wurde verehrt vor allen in matriarchalen Kulturen,
wo die Frau noch ihren Platz als Priesertin, Heilerin, Kriegerin, Seherin
und Schamanin hatte. Sie tanzten an diesem Fest auf den höchsten Bergen
und hatten dort natürlich auch ihre Freudenfeuer.
Vor allem die nordischen Völker verehrten Sonnengöttinnen. Die
Germanen, wie die Lappen, Balten, Kelten...
Auch bei den Griechen ist die Mutter des späteren männlichen Sonnengottes
HELIOS die Titanin THEIA (= die Göttliche), die auch "EURYPHAESSA
(= die weithin Leuchtende) genannt wird. Ihre Töchter waren EOS (=
die Morgenröte) und SELENE. Also auch hier war die Sonne ursprünglich
eine weibliche Göttin.
Auch die Inder hatten zuerst eine weibliche Sonnengöttin namens SURYA,
die später zum männlichen Sonnengott SURYA wurde, wie das oft
der Fall war im Zuge der Patriarchalisierung.
In Japan haben wir die AMATERASU.


