Herbstanfang: Herbst-Tag-und-Nachtgleiche - Mabon

Tag und Nacht gleich lang
Dieses Jahreskreisfesten ist eines der 4 anerkannten Sonnenfeste und heißt
unter anderem Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche. Als Gegenstück zum Frühlingsanfang
wird es um den 21./22. September gefeiert.
Das sind die beiden Feste, an denen Tag und Nacht genau gleich lang sind
und sich die Waage halten.
Eigentlich ist es ein großes Erntedankfest. Der Beginn der Jahreshälfte,
wo die Nächte wieder länger werden und die Tage kürzer. Die
Sonne "versteckt" sich sozusagen bis zum 21. Dezember zur Wintersonnwende,
wo sie wieder zurückkommt.
Herbstanfang
Es herbstelt überall. In der Früh der Nebel, später dann
der wunderschöne blaue Himmel und die Sonne, die nur noch warm und
nicht mehr heiß wird.
Die bunten Bäume mit ihren sich verfärbenden Blättern.
Und an manchen Orten sieht man noch Menschen, die ernten. Ist ja für
viele heute ein eher seltenerer Anblick - gerade in der Großstadt.
Und somit haben viele von uns auch den Bezug zu diesem großen Ernte-Dank-Fest
verloren.
Da man ja zu jeder Jahreszeit alles kaufen kann an Obst und Gemüse
und auch nicht mehr Hunger leiden muß, fällt es vielen schwer,
sich noch in eine Zeit reinzuversetzen, wo der Herbst darüber bestimmte,
ob man im Winter verhungern mußte oder nicht. Denn ob die Ernte gut
oder schlecht ausfiel, war ganz entscheidend wichtig.
Erntedankfeste
Zu matriarchalen Zeiten wurde dieses Erntedankfest besonders geachtet und
gefeiert. Es dauerte bis zum ersten Vollmond nach dem Fest.
Mit dem Erntedank verband sich früher auch die Ehrerbietung an die
Ahnen und die Besänftigung der dämonischen Kräfte. Die besten
Früchte der Ernte wurden den Göttern, den Ahnen oder der Natur
geopfert. Damit verliehen sie der Bitte Ausdruck, daß das nächste
Jahr ebenfalls wieder fruchtbar werden möge.
Dabei galt eine besondere Achtung den ersten drei Pflanzen, Ähren und
Früchten und den letzten drei. Diese Opfer wurden auf den Feldern gelassen.
Es gab viele unterschiedliche Feste, je nachdem, was geograpfisch so geerntet wurde: Kartoffelernte mit den großen Kartoffelfeuern, dann Weinlese und Weinfeste, Apfelernte, Nußernte usw.
Dieses Fest leitet die Zeit ein, wo die Natur und das Leben sich der Unterwelt
zuwenden.
Vom Jahreskreis her ist es so ähnlich zu sehen wie beim Tag das Abendrot
oder der Sonnenuntergang.
Und jeder weiß, wie schön das sein kann, wie intensiv die Farben
eines Sonnenuntergangs sind, das Spannungsfeld zwischen untergehendem Licht
und schon heraufkommender Nacht. Und so ist es auch im Herbst, dem großen "Sonnenuntergang
des Jahres".
Mabon
Im Keltischen wird das Fest auch "MABON" genannt.
Mabon war der walisische Sohn der Muttergöttin Modron, der Erdmutter
und Schutzherrin der "Adnerswelt".
Mabon bedeutet "Großer Sohn". Sein Vater war Mellt (=Blitz),
der mit seinen Blitzen die Erde befruchtet und seinen Sohn zeugte.
Von der Geschichte her war es so, dass der kleine Mabon verschwand, als
er nur drei Nächte alt war. Modron, die Erde, litt darunter furchtbar.
Überall wurde nach ihm gesucht. Und zuletzt fanden ihn drei Tiere,
nämlich Amsel, Hirsch und Eule in der Anderswelt - der Bauchhöhle
der Mutter Erde.
Dies ist ein verzauberter Ort, aber auch ein Ort der Herausforderung. Und
nur an einem solchen Ort konnte der Sohn der Erde wiedergeboren werden als
Sohn des Lichts.
Der griechische Gott des Lichts ist Apollon. Und er trägt einen Beinamen,
der Mabon in sich trägt: Apollon-Maponos.
Auch Maponos bedeutet "Großer Sohn. Im Walisischen wurde aus
dem "p" in Maponos einfach ein weiches "b".
Demeter

Bei den Griechen gab es auch einen ganz bedeutenden Mythos, der mit
dem Erntedank und diesem Jahreskreisfest verbunden war und der sehr ähnlich
zu Mabon ist.
Und zwar die Geschichte von Demeter und ihrer geraubten Tochter Persephone
(=Kore). Der Unterweltsgott Hades/Pluto hatte sie ja geraubt, worauf
Demeter sie überall verzweifelt gesucht hat. Als sie sie nicht finden
konnte, war sie so erzürnt und voll Trauer, daß sie auf der
Erde nichts mehr wachsen ließ, keine Blumen mehr, keine Früchte,
nichts mehr.
Daraufhin mußte Hades Persephone wieder freigeben. Er hatte ihr
allerdings heimlich in der Unterwelt von den Granatapfelkernen zu essen
gegeben, und aus diesem Grunde mußte sie jedes Jahr für ein
Drittel des Jahres wieder in die Unterwelt kommen.
Diese Zeit begann im Herbst und ging über den Winter, und im Frühjahr
durfte sie wieder hinauf zu ihrer Mutter.
Und darum verfiel Demeter jeden Herbst wieder in ihre Trauer um ihre
Tochter, ließ alles verblühen und verdorren. Und erst im Frühjahr,
wenn ihre Tochter wiederkam, war sie wieder glücklich und konnte
die Welt mit ihrer Freude überziehen, mit Blumen, Düften usw.
In Griechenland fand das größte und weithin bekannteste Feste
zu Ehren dieser Göttin Demeter statt, allerdings nicht im Frühling,
sondern genau im Herbst: die Eleusinischen Mysterien.
Der Name De-Meter (=Dea-Mater) bedeutet "Gott-Mutter", das
heißt eigentlich einfach Muttergöttin.
Der Buchstabe für "D" (gesprochen: de) hat aber noch eine
andere Bedeutungen: im griechischen ist es der Buchstabe Delta, der großgeschrieben
wie ein Dreieck aussieht und ein Symbol für das weibliche Geschlechtsorgan
ist. Im griechischen Alphabeth war er sogar als "Buchstabe der Vulva" bekannt.
Im Hebräischen (dwr), im Sanskrit (daleth) und im keltischen Alphabeth
(duir) stand der Buchstabe D für die Pforte, die Pforte der Geburt,
des Todes und des erotischen Paradieses.
So repräsentierte die Demeter das, was in Asien "das Tor des
rätselhaft Weiblichen... die Wurzel, aus der Himmel und Erde entsprangen" genannt
wurde.
In Mykenä, eine der frühesten Kultstätten der Demeter,
repräsentierten die Kuppelgräber mit ihren dreieckigen Eingangspforten,
ihren kurzen scheidenartigen Durchgängen und ihren runden Wölbungen
den Mutterleib der Göttin, den Schoß der Wiedergeburt - ganz ähnlich
wie im Mythos von Mabon und seiner Mutter. Diese Eingangspforten wurden
bei den Sumerern sogar rot angestrichen, symbolisch für das "rote
Blut des Lebens", das Menstruationsblut der Frauen. Und zu bestimmten
Riten wurden diese Pforten auch tatsächlich mit echtem Blut beschmiert,
siehe Ägypten und die Juden bei ihren Passhariten.. .
Einer der vielen Namen der Demeter war in noch früherer Zeit "PLUTO",
was "Überfluß" bedeutete. Dieser Name wurde im Zuge
der Patriarchalisierung einfach auf einen männlichen Unterweltsgott übertragen.
Und der spätere Mythos des Raubes von Demeters Tochter durch Hades/Pluto
ist auch schon eine patriarchale Interpretation. Ursprünglich war
Pluto weiblichen Geschlechts, und ihr "Reichtum" ergoß sich
aus ihren Brüsten über die Welt.
Eleusynischen Mysterien und Demeter

Eleusis bedeutet "Advent".
Die Hauptriten galten der Ankunft des göttlichen Kindes oder des
Erretters, der verschiedene Namen trug. Der bekannteste ist Dionysos.
Wie das Korn wurde er von der Erdmutter Demeter geboren und in einen
geflochtenen Binsenkorb gelegt. Die Teilnehmer aßen sein Fleisch
in Form von Brot, das aus den ersten bzw. letzten Garben gebacken wurde.
Und sie tranken sein Blut in Form von Wein.
Man sieht: immer wieder die gleichen Mysterien in den verschiedenen Kulten.
Wie Jesus wurde er zu Grabe gelegt und erstand wieder auf. Die Teilnehmer
dieser Myterienfeiern glaubten seiner Unsterblichkeit teilhaftig zuwerden.
Nach dem Tode wurden sie Demetreioi genannt, die Seligen der Demeter.
Dionysos war das Urbild Christi. Im 5. Jahrhundert vor Chr. waren Dionysos
und Jehovah auf beiden Seiten derselben Münze abgebildet. Sein Attribut
war der Thyrosstab, ein Phallus-Zepter. Sein Totemtier war der Panther
(griechisch Panthereos, Tier des Pan). Das alleine zeigt schon, dass
sein Kult äußerst orgiastisch und eroitsch war.
Da die eleusinischen Mysterien auch stark orgiastisch-erotisch waren,
wurden sie im Zuge der Christianisierung natürlich ausgemerzt, die
Tempel zerstört und die Göttin wurde als Demetra in die Heiligenriege
mit aufgenommen.
Aber bei der Landbevölkerung besteht der Glaube noch heute, daß in
der letzten Garbe der Geist der Demeter stecke. Sie bezeichneten diese
Garbe als Demeter, das Korn der Mutter, das Alte Weib usw.
Das letzte aller Rätsel wurde in Eleusis in "einer schweigend
geernteten Getreideähre" offenbart - ein heiliger Fetisch,
den die Juden Schibboleth nannten.
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Sternzeichen Waage
Bei der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche tritt die Sonne in das Sternzeichen
Waage, ein Zeichen der Harmonie und des Gleichgewichts - Tag und Nacht
halten sich die Waage. Aber es ist auch ein Zeichen der Veränderung
und des Wandels.
Vielleicht zeigt das auch ein bißchen ein anderes Gesicht der Waage,
als man so landläufig immer beschreibt. Da geht es ja immer "nur" um
Harmonie, Schönheit, Diplomatie, liebt den Frieden, usw...Oft sehr
oberflächlich und lapidar.
Aber der tiefere Sinn ist dieses "GLEICHGEWICHT", das hinter
allen Dingen verborgen ist und zur wahren Harmonie, Schönheit und
dem Frieden dazugehört.
Geraten die Dinge aus dem Gleichgewicht, fangen die Probleme an.
Ein wirklich schöner Mensch hat Tiefe. Und diese Tiefe umfaßt
auch die Dunkelheit.
Und so zeigt der Herbst in seiner großen Vielfalt, Vielfarbigkeit
und Vielschichtigkeit eigentlich sehr viel von den Menschen des Sternzeichens
Waage. Menschen, die auf der Schwelle des Sonnenuntergangs des großen
Jahreskreises geboren werden.

Erzengel Michael
Interessant ist ja auch immer, welches Fest die katholische Kirche im
Umkreis der Jahreskreisfeste feiert.
Früher wurde die Kirchweih oder Kirmeß auf diese Zeit gelegt.
Und dann wurde am 29. September das Michaeli-Fest gefeiert, das Fest
zu Ehren des Erzengels Michael, der Lucifer - den man auch als Lichtbringer übersetzen
kann - in die dunkle Hölle verbannte.
Lugnasad (das vorige Jahreskreisfest) ist der Tag, den die Kirche als
Höllensturz von Luzifer ansieht.
Während sie dieses Fest mit dem Erzengel Michael in Verbindung bringen.
Hier sieht man besonders stark, dass auch das Christentum diese Symbolik übernommen
hat und uminterpretiert hat.
Michael spielt eine wichtige Rolle im Totenkult.
Er erscheint hier in der wichtigen Position des Seelenwägers. Auch
geleitet er die Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits. Dementsprechend
wird er gerne mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt.








